Gigant 2000
PA-Endstufe bis 2 kW

 


Über Verstärkerleistung läßt sich trefflich diskutieren. Für den Hausgebrauch sollten 2 - 50 W (kontinuierlich) mehr als ausreichen, wenn man nicht gerade extrem leistungsschwache Lautsprecher (zum Beispiel Elektrostaten) anzusteuern hat. 50 W bieten im Regelfall ausreichend 'Headroom" für die höchsten Signalspitzen. Darüber war man sich bei Elektor schon immer einig und ist es auch heute noch. So zeichneten sich Elektors Verstärkerprojekte der letzten Jahre auch weniger durch Kraftmeierei, sondern durch Qualität und/oder ein gutes Preis/Leistungsverhältnis aus.

Doch Audio finden nicht immer im Wohnzimmer statt. Es gibt Diskotheken, Veranstaltungssäle und Theater, deren Räume eine deutlich höhere Leistungsbereitschaft des Verstärkers erfordern. So gab es in der Vergangenheit immer wieder Anfragen nach einer neuen Gigant-Endstufe. Dieses Mitte der achtziger Jahre veröffentlichte Bauprojekt einer 1-kW-PA-Endstufe erfreute sich großer Beliebtheit und wurde sehr häufig nachgebaut, nicht zuletzt, weil die immense Leistungsfähigkeit nicht auf Kosten der Qualität erreicht wurde. Eine PA-Endstufe mit dem Prädikat HIFI war vor gut zehn Jahren nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit .

Um so weit wie möglich den individuellen Vorstellungen der benötigten Leistung zu entsprechen, haben wir den Verstärker so entworfen, daß seine Leistung 'programmierbar' ist. Mit einer Standardlast von 8 Ohm liefert ein Gigant-Monoblock eine Sinusleistung von ungefähr 300 W Dies entspricht einer Steigerung des Schalldrucks von 7,5 dB gegenüber einer 50W-Endstufe und dürfte in sehr vielen Anwendungen ausreichend sein. Gehen die Anforderungen an die Leistungskraft weiter, halbiert man die Belastungsimpedanz auf 4 Q und erzielt so eine Leistung von 500 W, im Hinblick auf eine 50-W-Endstufe eine Erhöhung um satte 10 dB.
Doch damit ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Schaltet man nämlich zwei Lautsprecher parallel, so sackt die Lastimpedanz auf 2 Q. Dann kann man problemlos 800 W (1000 W Musikleistung) in den Schwingspulen der Lautsprecher verheizen. Und zum Schluß die Open-AirVariante: Kombiniert man zwei Gigant-Monoblöcke in Brücke, erreicht die gelieferte Leistung an ein 4-Q-Lautsprechersystem sagenhafte 2.000 W (Musik). Dies liegt 16 dB über den Möglichkeiten eines 50-W-Verstärkers. Die Produktion einer solchen Menge Watts bereitet dem Gigant 2000 kaum Probleme. Aber es wäre falsch, die Endstufe als brutale Krachmaschine anzusehen. Neben der hohen Leistungsfähigkeit gibt es nämlich ein zweites Merkmal, das den meisten Hochleistungsendstufen abgeht: Wir haben es beim Gigant 2000 mit einem lupenreinen HiFi-Verstärker zu tun. Wie in den Technischen Daten zu sehen, sind die Verzerrungen besonders gering, und die Werte für die Slew-rate (Anstiegsgeschwindigkeit) und die Leistungsbandbreite lassen auch viele Wohnzimmer-Endstüfchen vor Neid erblassen. Diese Kombination von Hochleistung und HiFi-Qualität macht aus dem Giganten einen außergewöhnlichen und für viele Anwendungen einsetzbaren Verstärker.

Blockschaltbild


LEISTUNG MUSS SICH
LOHNEN!


Als Grundlage für den Entwurf des neuen Verstärkers wurde die in Elektor Mai '97 vorgestellte kleine Qualitätsendstufe herangezogen, ein typischer Wohnzimmerverstärker mit einer Ausgangsleistung von 50 W an 8 Q und etwa 85 W an 4 Q. Das Besondere dieser vollständig symmetrisch aufgebauten Endstufe war der Einsatz einer Stromgegenkopplung (current feedback) anstelle der üblichen Spannungsgegenkopplung. Das Resultat war ein äußerst schneller Verstärker mit einer großen Schleifenverstärkung. Sowohl meßtechnisch als auch bei der Hörprobe machte die Endstufe einen erstaunlich positiven Eindruck. Mit einigen auf Leistungssteigerung zielenden Modifikationen wurde der Kleine Qualitätsverstärker zur Basis des neuen Giganten erkoren.
Doch obwohl das ursprüngliche Konzept des Kleinen Qualitätsverstärkers ziemlich erhalten geblieben ist, obwohl genau besehen nur zwei Dinge geändert wurden, nämlich eine Erhöhung des Aussteuerbereichs und eine Erhöhung des Ausgangsstroms, sind die Modifikationen sehr umfangreich. Um die angepeilte Leistung zu erreichen, musste die Versorgungsspannung mindestens verdoppelt werden. Also machte man sich auf die Suche nach Transistoren, die für solch hohe Spannungen geeignet sind. Daneben traten als Folge der höheren Versorgungsspannung auch höhere Spannungsabfälle und deshalb Probleme mit der Verlustleistung auf. Auch dies forderte geeignete Maßnahmen.
Das machte der höhere Ausgangsleistung wegen eine völlige Neudimensionierung der Schaltung des Kleinen Qualitätsverstärkers notwendig. Dort wurden nämlich die mittlerweile bekannten Spannungsgesteuerten IGBTs eingesetzt. Diese hervorragen Transistoren weisen einen erheblichen Nachteil auf: Wegen der großen Tolleranzen der Gate-Emitter-Spannung sind sie zur Parallelschaltung denkbar ungeeignet - mit Blick auf die gewünschte Ausgangsleistung sind symmetrische Transistorpärchen nun einmal unverzichtbar. So kommen statt IGBTs normale bipolare Transistoren im Stromverstärker zum Einsatz. Aber auch damit sind nicht alle Schwierigkeiten gelöst. Durch den Gate-Eingang besitzen IGßTs nämlich den Vorteil, das sie ohne große Probleme anzusteuern sind. Der Übergang zu rein bipolaren Transistoren erfordert dagegen einen Wechsel von Spannungs- zu Stromsteuerung, eine doch beträchtliche Verkomplizierung der Steuer- und der vorhergehenden Kaskodestufe, denn auch dort ist eine Parallelschaltung mehrerer Transistoren unvermeidlich. Glücklicherweise sind die verwendeten Leistungstransistoren deutlich preiswerter als IGBTs ein erheblicher Kostenfaktor bei insgesamt acht (!) Exemplaren in einem Monoblock.
Ein weiterer Gesichtspunkt, der beim Gigant 2000 eine deutlich wichtigere Rolle spielt als beim Kleinen Qualitätsverstärker, betrifft das Thema Sicherheit. Durch die hohen Spannungen und Ströme kann ein kleiner Fehler bei einer Endstufe dieses Kalibers leicht schwerwiegende und kostspielige Konsequenzen haben. Eine gute DC und Kurzschlußsicherung ist selbstverständlich, und zusätzlich haben wir eine Überlastungs- und eine Temperatursicherung eingebaut, wobei letztere mit einer proportionalen Lüftersteuerung gekoppelt ist.
Nach dieser Übersicht der wichtigsten Entwurfsvoraussetzungen können wir nun einen Blick auf die Schaltung in ihrer Gesamtheit und ihren Details wagen.

Schaltplan Monoblock


IM UBERBLICK


Alle genannten Aspekte der Modifikation eines Verstärkers mittlerer Leistung zu einer 2-kW-Endstufe hat schließlich doch zu einer völlig neuen Schaltung geführt. Deshalb werfen wir zunächst einen Blick auf die vereinfachte Blockschaltung in Bild 1. Das Herz der Endstufe wird von den beiden Blöcken Spannungsverstärker und Stromverstärker in der Bildmitte repräsentiert. Im Spannungsverstärker finden sich ein Eingangsverstärker und die als Vortreiber fungierende Kaskodestufe. Der Stromverstärker besteht aus einer Reihe von Steuer- und Endtransistoren. Die Bauteilnummerierung entspricht übrigens der im Schaltplan, so das die beiden Blöcke dort leicht wieder zu finden sein werden.
Um einen schädlichen Gleichspannungsoffset am Ausgang zu vermeiden, führt wie üblich eine Regelschleife vom Aus- zum Eingang der Schaltung zurück. Die Lautsprecher sind über ein Relais mit dem Endstufenausgang verbunden, eine ebenfalls übliche Maßnahme.
Einigermaßen kompliziert ist die Stromversorgung des Giganten. Zwei schwere 50-V-Tafos und eine Eindruckerweckende Ansammlung dicker Glättungselkos versorgen den Stromverstärker mit einer unstabilisierten symmetrischen Spannung von -70 V Um den Stromverstärker bis an die Grenzen aussteuern zu können, sollte die Versorgungsspannung des Spannungsverstärkers etwas darüber liegen. Ein ±15-V-Hilfsnetzteil, vom großen ±70-V-Netzteil huckepack genommen, kompensiert die unvermeidlichen Spannungsverluste. Die daraus resultierende Versorgungsspannung von ±85 wird anschließend direkt beim Spannungsverstärker auf eine saubere Betriebsspannung von ±78 V stabilisiert.
Die Sicherheitsmaßnahmen der Endstufe sind - wie angedeutet - umfangreich. Die entsprechende Teilschaltung führt einen permanenten Vergleich zwischen Ein- und Ausgangsspannung des Verstärkers durch und unterbricht, wenn sie einen Fehler detektiert, unmittelbar die Verbindungen zwischen der Endstufe und der Last sowie dem Eingangssignal mittels Relaiskontakt. Die Sicherheitseinrichtung ist wirksam gegen Gleichspannungsoffset Übersteuerung und Überschreitung des maximalen Stroms. Außerdem enthält sie eine Anschlußmöglichkeit für eine getrennte Temperaturregelung. Diese Teilschaltung überwacht die Kühlkörpertemperatur und steuert bei (individuell einstellbarem) Bedarf einen Lüfter proportional an. Überschreitet die Kühlkörpertemperatur auch mit Zwangskühlung das vertretbare Maximum, wird über den Sicherheitsschaltkreis das Ausgangsrelais der Endstufe geöffnet.

Schaltplan Hilfsnetzteil

 

52 TRANSISTOREN

Die Schaltung der neuen Endstufe Gigant 2000 ist in Bild 2 im Detail zu sehen. Auf den ersten Blick scheint die beeindruckende Versammlung von Transistoren, Widerständen und Kondensatoren kompliziert, fasst man aber die vielen Transistor-Parallelschaltungen und die diskret aufgebauten 78-V-Stabilisatoren zusammen, erinnert sie Schaltung doch sehr an den Kleinen Qualitätsverstärker.
Anhand der Transistornummerierung der Blockschaltung sind die Einzelteile der Endstufe schnell ausgemacht. Die Stabilisatoren sind mit T43…T47 für den positiven und mit T48…T52 für den negativen Zweig aufgebaut. Der Eingangsverstärker besteht aus Tl ... T10, die Kaskodestufe, die den Stromverstärker ansteuert, aus
T15…T26. Als Treiber fungieren
T29…T34, während T35 ... T42 für die
Power sorgen. Das Hilfsnetzteil und die Sicherungsschaltung ist hier nicht zu finden, sie sind auf einer anderen Platine untergebracht. Zäumen wir das Pferd von hinten auf und beginnen die Reise durch die Details des Gigant 2000 beim Stromverstärker. STROMVERSTÄRKER
Wegen der besonderen Leistungsfähigkeit kann man die Ausgangsstufe als wichtigstes Teil des Verstärkers bezeichnen. Damit die Endstufe auch bei einer Impedanz von 1,5 Q nicht in die Knie geht (ein wichtiger Punkt in 'Pflichtenheft'), wird eine Parallelschaltung von vier Endtransistorpärchen eingesetzt (T35 ... T42). Die Wahl fiel auf spezielle Typen von Toshiba, die sich durch ein extrem lineares Übertragungsverhalten und durch eine nahezu konstante Gleichstromverstärkung bis etwa 7 A auszeichnen. Auf den Datenblättern in der Heftmitte finden Sie nähere Angaben zu diesen interessanten Bauteilen.
Natürlich sollen neben den Endtransistoren auch die Treiber nur innerhalb ihrer safe operating area (SAE) arbeiten, so dass auch hier eine (dreifache) Parallelschaltung unumgänglich ist. In den Treibern arbeiten ebenfalls Toshiba Transistoren, deren hervorstechendes Merkmal ihre Schnelligkeit (Transitfrequenz = 200 MHz) ist.
Die mit dem symmetrischen Transistorpaar T27/T28 aufgebaute einstellbare Transistor-Z-Diode sorgt für die für die Ruhestromeinstellung notwendige Vorspannung. Dieses Transistorpaar ist mit den Endtransistoren auf dem gleichen Kühlkörper thermisch gekoppelt, so dass der Ruhestrom bei starker Aussteuerung steigt (und der Belastung entgegenwirkt) und bei fallender Temperatur des Kühlkörpers wieder auf seinen. Nominalwert zurückfällt. Mit P3 stellt man den Ruhestrom auf einen Wert von 200 mA ein.
Noch ein paar Worte zu der Verbindung zwischen Endstufenausgang und Lautsprecher. Üblicherweise wird hier ein Leistungsrelais eingesetzt, aber angesichts des hohen Ausgangsstroms haben wir drei Relais (Re2 ... Re4) parallel geschaltet, die sich den hohen Ausgangsstrom brüderlich teilen. Zwei davon werden von der Sicherheitsschaltung gleichzeitig ein- und etwas verzögert wieder ausgeschaltet. Innerhalb der Verzögerungszeit hat das dritte Relais Gelegenheit, kontaktlos zu werden und gleichzeitig das Eingangsrelais Re1 abzuschalten. Damit ist das Eingangssignal verschwunden, wenn die beiden erstgenannten Relais abschalten. Diese Arbeitsweise wirkt sich positiv auf die Lebensdauer der arg beanspruchten Relaiskontakte aus. Die drei Ausgangsrelais befinden sich zusammen mit der voluminösen Ausgangsspule Ll auf einer eigenen Platine, die dicht an den Ausgangsbuchsen angebracht werden kann.
Der Optokoppler IC2 arbeitet als Sensor für die Überstromsicherung. Der Spannungsteiler R74/R75 ist parallel zu den beiden Emitterwiderständen R48/R52 der Endtransistoren angebracht, so dass sowohl die positive als auch die negative Hälfte der Endstufe überwacht wird. Der Einsatz eines Optokopplers schließt Masseschleifen aus und macht darüber hinaus eine Kompensation der ±70-V-GleichtaktSpannung überflüssig. Die Betriebsspannung für die Empfängerseite des Optokopplers stammt von der Sicherheitsschaltung.

 


KASKODESCHALTUNG


Der mehr als hohe Ausgangsstrom des Verstärkers erfordert auch deutlich " schwerere" Treiberstufen als man es gewohnt ist. So besteht der Ausgang des Spannungsverstärkers aus drei parallelen Kaskodestufen (T15 ... T26). Die Kaskoden sind auf 10 ... 15 mA eingestellt, durch die Stromrückkopplung kann sich dieser Strom je nach Aussteuerung und Belastung beträchtlich erhöhen. So wurden für T21 ... T26 auch Transistoren gewählt, die bei einer Kollektor/Emitterspannung von 150 V einen Strom etwa 50 mA liefern können, während für T15 ... T20 normale BC-Typen ausreichend sind. Zwischen Eingangsverstärker und Kaskodestufe sind Puffer (T11, T12) platziert, die die Impedanz der Eingangsstufe verringern und gleichzeitig höhere Werte für R13 und R15 erlauben. So kann die Eingangsstufe eine zusätzliche Verstärkung von ungefähr 3 dB erzielen. Die Widerstände R19 und R21 erfüllen eine dreifache Aufgabe. Zunächst begrenzen sie die Verlustleistung der Puffer, sie machen eine gesonderte Spannungseinstellung der Puffer und begrenzen darüber hinaus den Strom durch die Puffer (und damit durch die Kaskodestufen) auf ein sicheres Maximum. Die Open-loop-Verstärkung der Endstufe wird ausschließlich von den Eingangs- und Kaskodestufen bestimmt. Die Verstärkung der Eingangsstufe hängt vom Verhältnis R13/R12+R8 (R15/R14+R8)ab und beträgt etwa 20 dB (Faktor 10). Die Verstärkung der Kaskoden werden durch das Verhältnis zwischen der Parallelschaltung von R31 und R32 und den im Grunde ebenfalls parallelen R24, R25 und @6 festgelegt. Durch das Gegentakt-Konzept multipliziert man alles mit dem Faktor 2 und kommt so auf schlappe 900fache Verstärkung. Zusammen sorgen Eingangs- und Kaskodestufen für eine Spannungsverstärkung von ungefähr 8500!


EINGANGSVERSTÄRKER

Genau besehen besteht der Eingangsverstärker lediglich aus T3 und T4. Die Kaskode-Konstruktion mit T9 und T10 soll nur zu hohen Spannungen entgegenwirken. Die Transistoren werden von den Z-Dioden D5 und D7 eingestellt, die Teil derselben Spannungsteiler sind, die auch T21 ... T26 vorspannen. Die FET-Stromquellen T13 und T14 halten den Strom durch die Z-Dioden stabil. R22 und R23 begrenzen hier die Verlustleistung der und die Spannung über den FETS.
Ansonsten entspricht die Eingangsstufe nahezu dem Vorbild des Kleinen Qualitätsverstärkers. Der Spannungsabfall über den Emitterwiderständen der Puffer Tl und T2 bestimmt den Spannungsabfall über den Emitterwiderständen von T3 und T4 und damit die Einstellung des gesamten Eingangsverstärkers. Um Temperatureinflüsse zu eliminieren, sollten Tl/T3 und T2/T4 thermisch gekoppelt sein. Die Pärchen sind auf der Platine so angebracht, das man sie leicht mit Kabelbindern zusammendrücken kann.
Da die Einstellung der Puffer Tl und T2 so weitreichende Konsequenzen hat, rechtfertigt dies auch einen entsprechenden Schaltungsaufwand in Form der Stromquellen T5 und T6. Diese besitzen Referenzspannungsquellen (nämlich die LEDs Dl und D2), deren Strom wiederum von FET-Stromquellen (T7/T8) konstant gehalten wird. Damit eine Temperaturstabilität gewährleistet ist, sollten Dl/T5 und D2/T6 (wieder mit Kabelbindern) thermisch gekoppelt werden. Dies geht am einfachsten, wenn man für die LEDs rechteckige Typen einsetzt. Um eine eventuelle Asymmetrie der Eingangsstufe zu kompensieren, kann mit P2 der Strom durch T5 dem durch T6 angeglichen werden (zu messen über R4 und R6).

Monoblock fertig aufgebaut.


GEGENKOPPLUNG
UND KOMPENSATION

Die Gegenkopplung des Endverstärkers verläuft vom Ausgang der Leistungsstufe über R10 und R11 zurück zum Knoten der Emitter von T3 und T4. Der Strom durch diese Transistoren ist abhängig von der Spannung über R8 und diese wiederum hauptsächlich vom Strom durch R10 und R11. Dies sind die Kennzeichen einer Stromgegenkopplung. Die Gesamtverstärkung der Endstufe wird vom Verhältnis zwischen R8 und R1+Rll bestimmt.
Die Bauteile C3, C4, C5 und R16, R17 sind Teil der für ein stabiles Verhalten notwendigen Kompensation. Sicherheitshalber haben wir auf der Platine Platz reserviert für ein zweites, noch nicht erforderliches Kompensationsnetzwerk. Da hochfrequente Signale bei einem solch schnellen Verstärker erhebliche Verzerrungen verursachen können, ist der Tiefpaß am Eingang (R2,/C2) ein absolutes Muss, auch für die

Stabilität ist das Filter erforderlich. Koppelkondensator Cl erfüllt ebenfalls eine wichtige Aufgabe. Da die Offsetkompensation sich lediglich auf die Unregelmäßigkeiten der Eingangspuffer bezieht, würde eine dem Eingangssignal unterlegte Gleichspannung bis zum Lautsprecher vordringen.
Schließlich noch ein paar nicht unwesentliche Details. Am Eingang der Endstufe ist ein Relais angebracht, das bei Bedarf (unter anderem bei Übersteuerung) das Quellsignal vom Schaltungseingang trennt und diesen auf Masse legt. Das Relais wird vom Sicherungsschaltkreis angesteuert. Das Netzwerk R9/Pl ist nur erforderlich, wenn zwei Verstärker als Brücke geschaltet sind, um eine optimale Gleichtaktunterdrückung zu gewährleisten. Das Netzwerk ist in einer Brücke nur einmal notwendig und kann man es bei der zweiten Endstufe weglassen (beziehungsweise JP1 nicht bestücken).
Die Offset-Kompensation übernimmt der mit einem Opamp (IC1) aufgebaute Integrator. Der Opamp vergleicht die Ausgangsgleichspannung mit dem Massepotential und fügt dem Eingangsverstärker eine kleine, dem Offset entgegen gerichtete Gleichspannung hinzu. So "kreist' die Ausgangsgleichspannung permanent in geringem Maße um das Massepotential. Der Opamp ist ein OP90, der einen extrem niedrigen Stromverbrauch von 20,uA mit einem äußerst geringen Eingangs offset von 450 Microvolt verbindet. Seine Betriebsspannung erhält der OP90 über D16 und D17 vom ± 15-V-Netzteil. Die Pufferelkos C26/C27 sorgen dafür, das der Opamp noch längere Zeit nach dem Ausschalten des Verstärkers in Betrieb bleibt und dabei eventuelle Störungen unterbindet. D14 und D15 schützen den Eingang des ICs bei Fehlersituation vor zu hohen Eingangsspannungen. R54 und R55 sind so bemessen, das der Kompensationsstrom maximal 1microA beträgt, ausreichend, um einen Unterschied in den Basisströmen von Tl und T2 zu kompensieren.


STABILISIERUNG

Den Vorteilen der Stromgegenkopplung steht ein bedeutender Nachteil entgegen, nämlich die nur mangelhafte Unterdrückung von Versorgungsspannungsschwankungen. Deshalb ist es notwendig, die Betriebsspannung des Spannungsverstärkers aufwendig zu stabilisieren. Angesichts der nötigen hohen Betriebsspannung und der Tatsache, das die als Grundlage fungierende unstabilisierte Spannung unter Einfluss der Verstärkerbelastung variieren kann, scheinen zwei diskret aufgebaute Low-drop-Regler (T43 ... T47, T48 ... T52) nicht übertrieben. Zur Kompensation des Spannungsverlustes vor allem in der Kaskodestufe soll der Spannungsverstärker ohnehin mit einer höheren Spannung (nämlich

± 78 V) als die Endstufe (- 70 V) betrieben werden. Dazu kommt, das die Spannungsregler ihrerseits eine für eine effektive Regelung unter allen Umständen ausreichende Regelreserve benötigen. Glücklicherweise ist die Stromaufnahme des Spannungsverstärkers mit etwa 70 mA so gering, das ein kleines Hilfsnetzteil (Bild 3), bestehend aus zwei Trafos, Brückengleichrichter und 'gemäßigten' Glättungselkos ausreicht. Die Ausgangsspannung von ±15 V ist in Serie mit den ±70 V des Hauptnetzteils geschaltet, so das man eine ungeregelte Spannung von ±85 V erhält.
Beschränken wir uns bei der Beschreibung der diskreten Spannungsregler auf den positiven Teil. Der negative ist völlig identisch, sieht man von der vertauschten Polarität der Transistoren ab. Als Referenz dient die 39-V-Z-Diode D9, so daß der Regler lediglich die Referenzspannung verdoppeln muss, um die gewünschte Ausgangsspannung von 78 V zu erreichen. Die FET-Stromquelle T43 sorgt für einen stabilen Strom durch die Z-Diode, die zusätzlich durch C30 entkoppelt wird. Der mit der Stromquelle T44 eingestellte Differenzverstärker T457r46 vergleicht über den Spannungsteiler R63/R64/P4 die Ausgangsspannung mit der Referenz, die durch P4 in Grenzen einstellbar ist. T47 stellt die Ausgangsstufe des Reglers dar. Die Ausgangsspannung ist bis zu einem Wert von etwa 0,2 V unter der Eingangsspannung stabil.
R57 und D8 schützen T43 vor zu hohen Spannungen beim Einschalten, D10 verhindert, das der Strom in umgekehrter Richtung durch den Regler fließen kann. C31 und C32 verbessern das Frequenzverhalten des Reglers, während R56/C28/C29 schließlich eine zusätzliche Glättung und HF-Entkopplung der ±85-V-Eingangsspannung bewirken.


UND DER REST

Die Zentrale des Gigant 2000 scheint damit ausreichend ausführlich besprochen. Was fehlt, sind die Sicherungsschaltung, die Temperaturregelung und natürlich wichtige Hinweise zum Aufbau der Platinen und zu ihrem Einbau in ein passendes Gehäuse.
Auch werden Sie im zweiten Teil des Artikels im Märzheft ausführliche Spezifikationen und Meßkurven finden ganz, wie Sie es von Elektor gewohnt sind. Zur Zeit, da diese Zeilen geschrieben werden, ist unser Labor mit dem Test der Brückenkonfiguration beschäftigt. Auch darüber wird in der folgenden Ausgabe zu berichten sein.